„Gegenwärtig“ - Ausstellung mit Werken von Norbert Tadeusz in der Kolvenburg

Norbert Tadeusz, dessen Werke vom kommenden Sonntag (07. Juni 2009) an in der Billerbecker Kolvenburg zu sehen sind, zählt zu den wichtigsten, international gefeierten Vertretern der figurativen Malerei. Denn der zeitgenössische Künstler hält am Gegenständlichen fest - und bevölkert seine Leinwände mit Gestalten und Objekten einer sichtbaren, überaus faszinierenden Welt: Landschaften, Interieurs, Tier- und Blumendarstellungen, aber auch Akte sind seine Motive. Zugleich gilt Tadeusz, der bevorzugt mit großen Formaten arbeitet, als einer der wenigen Monumentalmaler Deutschlands.

Abbildung: Norbert Tadeusz: Rückensprung Pferd III, 2005, Acryl auf Leinwand

Abbildung: Norbert Tadeusz: Rückensprung Pferd III, 2005, Acryl auf Leinwand

Die von der Kulturabteilung des Kreises Coesfeld konzipierte Ausstellung mit dem Titel „Gegenwärtig““ reiht sich in eine lange Tradition von hervorragenden Einzelausstellungen zu Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts ein. Mit Tadeusz bereichert nun ein Maler das Ausstellungsprogramm, der bereits in den 1960er Jahren, als er noch an der Düsseldorfer Akademie studierte und der Abstraktionswille in der Kunst überall gegenwärtig war, streng und kompromisslos an der figurativen Malerei festhielt - dies auch noch, als er schon längst Meisterschüler von Joseph Beuys war. Seit den 1970er Jahren hatte Tadeusz Professuren an der Hochschule der Künste in Berlin, an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig sowie an der Kunstakademie in Münster inne.

Klassische Bildthemen und Szenen des täglichen Lebens gehören zum typischen Repertoire des 1940 in Dortmund geborenen Malers: So tummeln sich auf seinen monumentalen Leinwänden weibliche und männliche Akte in fast übernatürlichen Verrenkungen, hängen Kadaver von Rinder- und Pferdehälften demonstrativ im Raum und jagen Jockeys auf ihren Rennpferden mit dem Gegner um die Wette. Oder aber er entfaltet einen Sog von bunten, fast überbordenden Blumenarrangements. Dabei sind es stets äußere Anlässe, die ihm als Initialzündung dienen: etwa die Reisen nach Italien, vor allem Siena, wo er den sogenannten „Palio“, das traditionelle Pferderennen, beobachtet und mit Photographien dokumentiert; oder seine Besuche in Schlachtereibetrieben in Pistoia oder San Casciano, die ihn zum Thema der „Carni“ inspirieren. Farbe spielt neben der Größe ebenfalls eine zentrale Rolle, liebt es der Künstler doch, diese auf der Leinwand aufzutragen - allerdings nicht, wie sie sich am Gegenstand zeigt, sondern so, wie er sie „fühlt“. Sein hallenartiges Atelier in Düsseldorf ist nicht nur Lager für seine unzähligen Arbeiten. Christine Sörries, Leiterin der Kulturabteilung des Kreises, konnte sich vor Ort einen Eindruck verschaffen: „Hier besteht ein regelrechtes Labor der Kunst, hier passiert mehr als der reine Akt des Malens. Es entsteht eine neue Welt.“ Denn obgleich Tadeusz' Bilder auf den ersten Blick durchaus klar aufgebaut sind und jedes Motiv der Wirklichkeit entstammt, spielt er doch kühn mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Perspektive, um sie in all ihrer Komplexität durchzuexerzieren: Brechungen, Irritationen und Verfremdungen sind die Folge. Wie aktuell und „gegenwärtig“, so der Titel der Ausstellung, die Arbeiten des Künstler heute sind, bezeugt nicht zuletzt die ständige Präsentation seiner Werke in einem Pavillon auf der Museumsinsel Hombroich. Die Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Vogelberg wird in die Ausstellung einführen. Der Künstler ist zur Vernissage anwesend. Der Kreis Coesfeld bietet Siebdrucke des Künstlers in einer Sonderauflage zum Verkauf an.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Norbert Tadeusz: Gegenwärtig“ am Sonntag (07. Juni 2009) um 15:00 Uhr sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Die Schau ist dann bis zum 26. Juli 2009 zu sehen.